Presseinformation  020 / 2010       01. 02. 2010      Diese Seite drucken    

 

Nahverkehr auf Winter nicht vorbereitet?
Massive Schneefälle decken Schwachstellen im ÖPNV auf und: Es gibt keinen gesetzlichen Beförderungsanspruch

Rostock. Der Winter hat nun seit Wochen alles fest im Griff in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kunden von Bahn und Bus stellen sich darauf ein und zeigen meist Verständnis. Zunehmend wird nun aber auch Unmut laut. Die Verbraucherschützer im Lande kommen nicht mehr umhin, von den Unternehmen die Erfüllung ihrer eigenen Leistungsversprechen auch in komplizierten Situationen zu verlangen, selbst wenn es in Deutschland noch keinen gesetzlichen Beförderungsanspruch für den Nahverkehr gibt. Wenn aber kaum Reserven und zu wenig geeignete Technik vorgehalten werden, wenn die Kommunikation zwischen Fahrpersonal und Dispatchern nicht klappt und Fahrgäste stundenlang ohne Information bleiben, dürfen Kunden auch unzufrieden sein. Noch am Wochenende annoncierte z. B. die RSAG aus Rostock vollmundig „Sorgenfrei durch den Winter. Bei jedem Wetter bequem zur Arbeit, zum Sport und zum Shopping!“ Aber leider war der Rostocker Nahverkehr keine Alternative. Noch 24 Stunden nachdem der Schneesturm abgeklungen war, war Fahren mit Bus oder Bahn, einschließlich S-Bahn kaum eine zu empfehlende Unternehmung. Das einzige, was man über Lautsprecher – so vorhanden – erfuhr, war, dass es zu Verspätungen kommt. Dass aber z. B. bei den eingesetzten Tatra-Straßenbahnen wegen der ungeräumten Bahnsteige die Türen nicht geöffnet werden konnten und an jeder Station durch völlig überforderte Fahrer frei gefegt werden mussten, offenbarte das Desaster. Keine Hilfskräfte zu sehen und nichts tat sich, trotzdem suggerierten die elektronischen Anzeigen den Wartenden, dass vielleicht doch noch was geht. Die S-Bahn fuhr am Wochenende nur in größeren Abständen. Wer aber in Warnemünde einsteigen wollte, hatte die Wahl, entweder der automatischen Anzeige zu glauben oder auf Verdacht in irgendeinen der bereitstehenden Züge einsteigen. Fragen konnte man keinen und wer falsch geraten hatte, saß im falschen Zug und durfte eine weitere Stunde warten. Und selbst am Montag früh hatte sich wenig geändert. Wenig verwunderlich daher, dass viele auf´s Auto umgestiegen sind und die Straßen verstopften.

Fahrgäste sind Kunden und erwarten eine zuverlässige Beförderung und verlässliche Information, denn die Fahrpreise wurden in den letzten Jahren immer wieder mit dem Argument eines besseren Service erhöht. Es besteht Handlungsbedarf im Interesse der Kunden und Verbraucher. Der nächste Schnee kommt bestimmt.

 

Für weitere Informationen:

Dr. Jürgen Fischer, Vorstand