Presseinformation 71 / 2008 14. 08.
2008
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Vitaminpillen gehören nicht in die Schultüte
Erstklässlern sollte der Start in den Schulalltag nicht mit der Verabreichung von Vitaminpräparaten versüßt werden
Mit extra
schluckleichten Kapseln, Lutschtabletten in Bärchenform, Trinkpulver in Tütchen
und Multivitaminsäften mit Fruchtgeschmack haben Hersteller von
Nahrungsergänzungsmitteln die ABC-Schützen als lukrative Zielgruppe entdeckt. In
Gesundheitsmagazinen und Elternratgebern versprechen sie, dass ihre Produkte die
Konzentration sowie Lern- und Leistungsvermögen der Schulanfänger steigern.
Gleichzeitig warnen sie vor einer möglichen Mangelversorgung von Kindern unter
Hinweis auf die zunehmenden Belastungen in Schule und Freizeit. Als
Problemlösung bieten sie den Griff zu Vitaminpräparaten an.
“Es ist jedoch erwiesen, dass Kinder, die sich in Deutschland halbwegs normal
ernähren, nicht unter Mangelerscheinungen leiden und somit keine zusätzlichen
Fitmacher in Pillen- und Pulverform benötigen“, so Uta Nehls von der Neuen
Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern e.V. „Eine Extraportion an
Vitamin- und Mineralstoffen wie Eisen, Vitamin C, Calcium oder Zink gehört nicht
in die Schultüte. Auch als regelmäßige Beigabe zum Pausenfrühstück sind Pillen
und Pulver völlig ungeeignet.“ Bei ausgewogener Ernährung sowie genügend Zeit
für Spiel, Sport, Spaß und Schlaf brauchen Kinder keine pharmazeutischen Extras,
um gesund und fit zu sein.
Vitaminpräparate, die wie bunte, leckere Bonbons oder süße, fruchtige Säfte
angeboten werden, sind des Guten zu viel. Sie können Kinder dazu verleiten, mehr
davon zu konsumieren und dabei die empfohlene Dosis zu überschreiten. Auch durch
den Verzehr von bereits mit Zusatzstoffen angereicherten Lebensmitteln – zum
Beispiel Knusperprodukte zum Frühstück – nehmen Kinder vielfach deutlich mehr
von einzelnen Vitaminen zu sich als nötig. Über die Wirkungen von
unkontrollierter Einnahme und Überdosierung bei Vitaminpräparaten ist bisher
noch zu wenig bekannt. Als Faustregeln gelten: Die zusätzliche Einnahme ist
überflüssig. Eine Überdosierung kann in einzelnen Fällen sogar schädlich für die
Gesundheit sein.
Wenn bereits Schulanfänger zu zusätzlichen Mitteln greifen, statt ein
ausgewogenes Ernährungsverhalten einzuüben, besteht die Gefahr, dass sie sich
schon früh an die Einnahme von Problemlösern in Pillenform gewöhnen.
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Getreide- und Milchprodukten,
reichlich Gemüse und Obst liefert alle erforderlichen Nährstoffe für Wachstum,
geistige Entwicklung, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Bei der Wahl der
Lebensmittel sollten Eltern möglichst auf Vollkorn- und fettarme Produkte
achten. Zweimal pro Woche Fleisch und einmal Fisch auf dem Tisch runden den
ausgewogenen Speiseplan ab. Süßigkeiten und Snacks in Maßen zwischendurch
schaden nicht.
Schulkinder, die zu wenig trinken, sind häufiger müde und weniger aufmerksam.
Kinder sollten deshalb zwischen ein und anderthalb Liter Flüssigkeit über den
Tag verteilt trinken. Leitungs- und Mineralwasser, ungesüßte Früchtetees oder
Saftschorlen sind hierzu ideale Durstlöscher.
Für weitere Informationen:
Uta Nehls, Projektleiterin Ernährung
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