Presseinformation 81 / 2007 09.
08. 2007 Diese
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Zu hohe Stromkosten? Verbraucher
können Wettbewerb beeinflussen
Verbraucherzentralen starten mit bundesweiter Kampagne
Steckdosen scheinen kleine gierige Monster zu sein. Jeden Tag fressen Sie Unmengen von Strom. Das belastet neben der Umwelt auch den Geldbeutel der Verbraucher.
Während die Bilanzen der großen Stromanbieter einen Rekordgewinn nach dem anderen aufweisen, erlangen die Strompreise neue Dimensionen. Deutsche Stromkunden zahlen rund 30 Prozent mehr als die Verbraucher in Großbritannien und doppelt so viel wie in der Schweiz. Die Verbraucher in Deutschland profitieren knapp 10 Jahre nach Öffnung des Strommarktes immer noch nicht von dieser viel gepriesenen Liberalisierung. Ein echter Wettbewerb um Kunden mit attraktiven Angeboten findet kaum statt. Nach wie vor beherrschen wenige Stromkonzerne den Markt und bestimmen die Preise.

Zeit also, sich nicht mehr auf die Politik zu verlassen und ein Ende der Selbstbedienungsmentalität herbeizusehnen, sondern durch einen Wechsel selber aktiv zu werden. Doch der Stromkunde ist träge. Die Mehrheit der deutschen Haushalte hat ihren Anbieter oder Stromtarif nie gewechselt, sie zahlt noch immer den teuren Grundversorgerpreis. Viele (nicht alle) Sonderverträge sind günstiger.
„Diese Bequemlichkeit zahlt sich für die Energiekonzerne aus“, meint Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Neuen Verbraucherzentrale.
Deshalb haben die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) die Kampagne „Strom. Jetzt wechseln. Jetzt sparen.“ gestartet (mehr). Mit bundesweiten Großplakaten, gezielten Aktionen und umfassenden Beratungsangeboten wollen die Verbraucherzentralen die Stromkunden zum Wechsel motivieren und zugleich vermitteln, wie Stromkosten auch mit einfachen Sparmaßnahmen dauerhaft gesenkt werden können.
Stromwechsel: Einfach und ohne Risiko
Was sich noch nicht überall herumgesprochen hat: Der Wechsel des Stromanbieters ist einfach. Er ist ohne großen Aufwand und Risiko möglich: Kurz bei einem neuen Anbieter anrufen, ein Formular ausfüllen und schon bald wird die Stromrechnung günstiger. Um alles Weitere, wie etwa die Kündigung des bisherigen Versorgers, kümmert sich der neue Anbieter. Ängste, durch den Wechsel zeitweise ohne Strom dazustehen, sind in jedem Fall unbegründet.
Der Zähler bleibt der gleiche und der Strom fließt ohne Unterbrechung weiter – nur, dass er weniger kostet. Wird der Strom des anderen Anbieters dann zusätzlich noch aus Wasser, Wind, Sonne oder Biomasse erzeugt, leistet man gleichzeitig einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.
Die Politik alleine wird es nicht richten
Politisch hat sich durch den massiven öffentlichen Druck einiges bewegt und den Stromkonzernen weht ein neuer Wind entgegen. Wir haben eine Bundesnetzagentur, die schrittweise die hohen Netzentgelte senkt, die immerhin fast ein Drittel unseres Strompreises ausmachen. Im Herbst soll das Kartellrecht verschärft werden, um die schädlichen Auswirkungen des Oligopols der Stromerzeuger abzumildern. Parallel dazu will die Europäische Kommission die Energiekonzerne von den Netzbetreibern vollständig abtrennen. Prominente Politiker fordern in Deutschland, die Kraftwerksbetreiber zu zerschlagen.
Doch jetzt sind die Stromkunden selber gefordert, ihren Einfluss geltend zu machen und durch einen Wechsel des Stromanbieters ein Zeichen für mehr Wettbewerb und gute Angebote zu setzen. Dazu ist es notwendig, dass die Stromkunden sich ihrer Macht stärker bewusst werden. Mit einem Wechsel zur günstigeren oder umweltfreundlicheren Konkurrenz zwingen sie die Unternehmen, die Preise und Angebote anzupassen. Die Verbraucher haben es also selber in der Hand, die Marktmacht der vier großen Stromkonzerne aufzubrechen und hohen Strompreisen die rote Karte zu zeigen.
Bundesweite Wechselkampagne der Verbraucherzentralen
Die Verbraucherzentralen wollen mit ihrer neuen Kampagne wachrütteln. Ab 10. August werben sie mit Groß-Plakaten in allen 16 Landeshauptstädten für den Wechsel des Stromanbieters sowie für einen verantwortungsvollen und sparsamen Umgang mit Energie.
Das Faltblatt „Strom. Jetzt wechseln. Jetzt sparen.“ erklärt die wichtigsten Schritte bei der Auswahl eines neuen Stromanbieters (mehr). Die Beratungsstellen der Neuen Verbraucherzentrale bieten nach Bedarf differenzierte Beratungen an (Termininfo: 0381-208 70 50). Die konkrete Auswahl eines gewünschten Anbieters kann mit im Internet aufzufindenden Stromrechnerportalen realisiert werden (mehr).
Wer sich mit dem Thema eingehender beschäftigen will, kann unseren Leitfaden nachlesen (mehr).
Für den Einzelnen wird es sicher darum gehen, die Stromkosten besser in den Griff zu bekommen. Für die Verbraucherschützer des Landes ist es vor allem wichtig, dass Bewegung bei den Preisen eintritt.
Für weitere Informationen:
Dr. Jürgen Fischer, Vorstand