Presseinformation    80 / 2007       02. 08. 2007       Diese Seite drucken    

 

1. Heizkostenspiegel für Rostock vorgelegt
In der Hansestadt dominieren Wohngebäude mit einem guten baulichen Wärmeschutz

Nach einem knappen Jahr Vorbereitungszeit und der Auswertung von Daten von über 5.200 Wohnungen legen die Rostocker Verbraucherschützer erstmals einen Heizkostenspiegel für die Hansestadt vor. Dieses Dokument, das ab sofort als kompaktes Faltblatt in der Beratungsstelle der NVZ in der Strandstraße 98 erhältlich ist, wird auf großes öffentliches Interesse stoßen, meint Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Neuen Verbraucherzentrale. Damit ist erstmals die Möglichkeit gegeben, den Heizenergieverbrauch von Mehrfamilienhäusern und die damit verbundenen Kosten zu vergleichen. Das ist nicht nur für die Bewohner in diesen Gebäuden von Interesse, sondern vor sicherlich auch für Eigentümer, Hausverwaltungen und Makler. Aber auch Behörden, Versorgungsunternehmen und die ARGE zur Grundsicherung für Arbeitslose werden sich für die ermittelten Zahlen interessieren.

Basis für die Erstellung des Heizkostenspiegels sind in erster Linie die Heizkostenabrechnungen, die für das Jahr 2006 seit Jahresbeginn den Eigentümern und den Nutzern der Wohnungen vorgelegt worden sind.  Diese Abrechnungen enthalten eine Fülle wichtiger Daten, die nicht nur für die Prüfung im Einzelfall, zum Beispiel im Rahmen einer Energieeinsparberatung, von Bedeutung ist, sondern durch die jetzt vorgenommene systematische Auswertung entstand ein anschauliches Bild über den Heizenergieverbrauch in Rostocks Wohngebäuden.

In Rostock kommen vor allem zwei Heizsysteme zum Tragen. Es gibt sehr viele Gebäude, die durch eine Zentralheizung auf Erdgasbasis beheizt werden (überwiegend mit einer Gesamtwohnfläche unter 1.000 qm). Große Bestände werden jedoch durch das zentrale Fernwärmesystem der Hansestadt versorgt. Das betrifft meist Gebäude und Wohnanlagen mit einer Gesamtwohnfläche von mehr als 1.000 qm.

Im Vergleich zu 2005 haben sich im Jahre 2006 die Preise für Erdgas und für Fernwärme (Wärmelieferung) drastisch erhöht. Bei den Erdgaslieferungen gab es einen durchschnittlichen Preisanstieg von 18 Prozent innerhalb nur eines Jahres auf 0,059 Euro/kWh. Auch die Kosten für die Fernwärme blieben von dieser Entwicklung nicht verschont und es ergab sich ein durchschnittlicher Bezugspreis von 0,083 Euro/kWh. Im Jahre 2005 waren es noch 0,074 Euro/kWh. Bei den Kosten für den Bezug von Fernwärme ist eine breite Spreizung im Wohnungsbestand erkennbar geworden. In günstigen Fällen konnte 2006 Fernwärme schon für 0,068 Euro/qm bezogen werden, aber in Einzelfällen mussten sogar 0,119 Euro/qm berappt werden. Das ist durch die verschiedenen Preiskomponenten, die zu einem Gesamtpreis führen, bedingt.

 

Der spezifische Heizenergieverbrauch, der für einen Quadratmeter Wohnfläche jährlich benötigt wurde, liegt in der Hansestadt sehr günstig. Gerade größere Wohnanlagen kommen mit verhältnismäßig geringem Energiebedarf aus. Bei den fern beheizten Gebäuden mit einer Wohnfläche über 3.000 qm genügen durchschnittlich nur 68 kWh/qm und Jahr (ohne Warmwasseranteil), um die erforderliche Raumwärme zu erzeugen. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die erheblichen Investitionen in den letzten 15 Jahren auch im Hinblick auf die Energieeinsparung gelohnt haben. Auch die mit Erdgas versorgten Zentralheizungen, die sich meist in älteren oder kleineren Gebäuden befinden, benötigen bei einer Wohnfläche bis zu 500 qm nur 116 kWh/qm und über 1.000 qm auch nur 83 kWh/qm. Das zeigt, dass auch die Altbausanierung in Rostock gut voran geschritten ist. Und davon profitieren inzwischen auch die Nutzer der Wohnungen. Bewohner von zentral beheizten Gebäuden mit nicht mehr als 1.000 qm Wohnfläche verbrauchen Heizenergie mit einem Kostenaufwand von durchschnittlich 0,54 Euro/qm pro Monat (bzw. 0,70 Euro/qm incl. Heiznebenkosten [1]). Wer in einem fern beheizten Gebäude mit einer Gesamtwohnfläche über 3.000 qm wohnt, kommt sogar mit nur 0,44 Euro/qm pro Monat aus (bzw. 0,56 Euro/qm incl. Heiznebenkosten).

Diese Durchschnittswerte dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass z.B.  bei etwa 18 Prozent der zentral beheizten Gebäude ein spezifischer Heizenergieverbrauch von mehr als 150 kWh/qm ermittelt wurde. Hier liegt Handlungsbedarf vor, der sich sowohl auf den baulichen Wärmeschutz und die Effizienz der Heizungsanlage beziehen kann, als auch auf das jeweilige Nutzerverhalten.

Den Heizkostenspiegel können sie als PDF-Datei hier downloaden (Größe ca 40kb).

[1] Zu den Heiznebenkosten gehören u.a. die Kosten für Wartungen, für Immissionsmessungen, für die Ablesung und die Erstellung der Abrechnung und der Betriebsstrom) 

 

Für weitere Informationen:

Dr. Jürgen Fischer, Vorstand