Presseinformation    61 / 2006       09. 06. 2006                    Diese Seite drucken

 

Kartoffeln nicht immer naturbelassen

Was hinter der Angabe „Nach der Ernte behandelt“ steckt

Fast 30 Prozent der Kartoffeln weisen Rückstände von Pestiziden und chemischen Keimhemmern auf. Darauf weist die Neue Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern unter Berufung auf Untersuchungsergebnisse des amtlichen bundesweiten Lebensmittel-Monitoring hin. Zum Einsatz kommen Wirkstoffe wie Chlorpropham, Imazalil oder Thiabendazol, deren Verwendung erlaubt ist. Gegen den Befall mit Schimmel und das frühzeitige Keimen dürfen Kartoffeln nach der Ernte mit den Stoffen behandelt werden. Doch müssen die Kartoffeln gekennzeichnet sein. Verbraucher sollten also die Etiketten von verpackten Kartoffeln genau studieren, um den Hinweis „nach der Ernte behandelt“ zu finden. Bei loser Ware muss dieser auf einem Schild neben der Ware angebracht werden.

Wer gerne Kartoffeln mit der Schale isst, sollte darauf achten, dass sie unbehandelt sind. Aus dem Weg gehen kann man den Fungiziden und Keimhemmern, wenn man Bioware kauft. Denn Kartoffeln aus ökologischem Anbau dürfen zum Einlagern nur mit einem natürlichen Extrakt aus Pfefferminzöl behandelt werden. Auch einheimische Frühkartoffeln stellen eine Alternative dar. Da sie zum sofortigen Verzehr bestimmt und wenig lagerfähig sind, werden sie selten oder wenig behandelt. Behandelte Lagerkartoffeln sollten dagegen nur geschält verzehrt werden.

Verbraucher sollten unbehandelte Kartoffeln auf jeden Fall trocken, dunkel und kühl - bei 3 bis 4 Grad Celsius - lagern. Eine hohe Luftfeuchtigkeit und gute Belüftung tragen ebenfalls zur besseren Haltbarkeit bei. Zu kalte Lagerung ist allerdings auch nicht ratsam, denn bei Temperaturen unter 2 Grad Celsius werden Kartoffeln unangenehm süß, da die Stärke zu Zucker abgebaut wird. Dadurch können auch die Acrylamidgehalte bei der Zubereitung als Bratkartoffeln oder Pommes Frites steigen. Ab einer Temperatur von 5 Grad Celsius fangen die Knollen an zu keimen, es kommt zum Aromaverlust und sie werden schrumpelig. Auf keinen Fall sollten Kartoffeln neben Äpfeln gelagert werden, weil diese das Auskeimen beschleunigen. Kommt Licht hinzu, wird die Schale grün und es bildet sich Solanin, welches bitter und kratzend schmeckt und gesundheitlich bedenklich ist.

Wer im Haushalt keine guten Lagermöglichkeiten hat, sollte Kartoffeln nur in kleinen Mengen kaufen, die zum baldigen Verzehr bestimmt sind.

 

Für weitere Informationen:

Uta Nehls, Projektleiterin Ernährung