Presse-Information: 14 / 2006 14. 02. 2006
Gasanbieter wollen sich dem Gasmarkt öffnen
Verbraucherschützer erwarten keine baldigen Preissenkungen
Rostock. Der Gasmarkt ist bis dato verkrustet und „in festen Händen“. Bis sich hier echter Wettbewerb einstellt, wird geraume Zeit vergehen, meinen die Verbraucherschützer des Landes. Um nachteilige Konsequenzen seitens der Kartellbehörden zu vermeiden, haben sich einige Anbieter, so auch E.ON, entschlossen, in die Offensive zu gehen und ihre Netze für Privatkunden zu öffnen. Und das schon zum 1. April.
Bislang aber fehlt es an den rechtlichen und auch tatsächlichen Rahmenbedingungen, um diese Absicht marktgerecht und Wettbewerbs fördernd umzusetzen. So ist völlig offen, wer als neuer Anbieter zur Verfügung steht. Im Prinzip könnten dies sogar schnell zu gründende Töchterunternehmen der bisherigen Anbieter sein. Neue Anbieter können sich zudem nicht auf abgesicherte und einheitliche Zugangsbedingungen einstellen. Sie müssen Fall für Fall mit dem bisherigen Monopolisten über die Netzentgelte verhandeln und wie schwer dies ist, zeigen Beispiele aus dem Bereich der Telekommunikation. Der Bund will – anders wie bei den Strompreisen – vor einer Marktöffnung den Zugang zu den Gasnetzen und die Netzentgelte regeln. Vor dem Herbst 2006 ist aber mit diesen Regularien nicht zu rechnen.
Unter Umständen wollen die Gasanbieter den womöglich für sie „nachteiligen“ Regelungen zuvor kommen und jetzt schnell Tatsachen schaffen. Wenn das gelingen sollte, befürchten Verbraucherschützer eben keinen allgemeinen Druck auf die Gaspreise und keine kurzfristige Entlastung der Verbraucher.
Auch der zunächst vorgesehene Weg des Anbieterwechsels im Wege der so genannten „Beistellung“ ist ein Provisorium und für den jeweiligen Verbraucher, sollte er sich darauf einlassen, nicht ganz risikofrei. (Der Endkunde kauft dann Gas von einem neuen Anbieter und dieser beauftragt den bisherigen Netzbetreiber mit der Lieferung.) Deshalb bewerten Verbraucherschützer die Entwicklung der letzten Monate, die auch durch die Proteste der Verbraucher eingeleitet wurde, als durchaus positiv, verfallen aber ähnlich wie der Chef des Bundeskartellamtes, Böge, nicht in Euphorie.
Unabhängig von der beabsichtigten Marktöffnung wird es weiterhin erforderlich sein, die Preiserhöhungen der letzten Monate zu hinterfragen und die Offenlegung der Preiskalkulationen zu erwirken.
Für weitere Informationen:
Dr. Jürgen Fischer
Vorstand, Tel. (0381) 208 70 12 , fischer@nvzmv.de
Horst-Ulrich Frank
Energiereferent, Tel. (0395) 56 84 315 frank@nvzmv.de